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„Für den Einsatz bekommen wir keine Noten. Ein Schulzertifikat bestätigt aber unsere Teilnahme. Das macht sich später super im Lebenslauf“, erklärt Tinka Greve, 16. Diese anfängliche Motivation ist für die Zehntklässlerin längst nicht mehr der Hauptanreiz: „Die Rentner erzählen viel aus ihrem Leben. Das ist viel spannender als unser Geschichtsunterricht in der Schule“, meint sie. Gemeinsam mit ihrem Mitschüler Jannis Heisener besucht sie seit 18 Monaten einmal in der Woche alte Menschen, unterhält sich mit ihnen bei Saft und Kuchen oder begleitet sie auf Spaziergängen. Der 15-jährige Jannis: „Wir spüren, dass wir dort gebraucht werden. Außer von uns bekommen manche nie Besuch.“

Über 50 Schüler nahmen bereits an der AG teil. Sie entwickelten dadurch ein besseres Verständnis für ältere Menschen, berichtet ihr Lehrer. Einige hätten sogar „einen Oma- oder Opa-Ersatz“ gefunden. Alle Jugendlichen ernten für ihren Einsatz Anerkennung und emotionale Zuwendung von Erwachsenen. „Das kommt in der Schule zu kurz“, meint Wagner. Er plädiert dafür, soziales Engagement an deutschen Schulen wie vielerorts in den USA zur Pflicht zu machen. Dort genießen Ehrenämter seit jeher hohes Ansehen, gehören zum Schulalltag und werden sogar benotet.

„Barmherzige, die zu 100 Prozent selbstlose Nächstenliebe praktizieren, gibt es aber nicht. Selbst ein Priester steckt nicht jedem Bettler auf der Straße Geld zu“, meint Tobias Krettenauer. Der Entwicklungspsychologe und Sachbuchautor untersuchte die Motive Jugendlicher, die freiwillig soziale Dienste im Ausland leisten. Er fand heraus, dass sie mit ihrem Engagement stets auch eigene Bedürfnisse befriedigen.

Billig in andere Länder zu reisen oder zusätzliche Qualifikationen zu erwerben, wurden als wichtige Gründe für die Hilfsaktionen fern der Heimat genannt. „Doch am Ende“, so Krettenauer, „überwiegt die gute Tat, und das zählt.“ Die Mehrheit der von ihm befragten Jugendlichen kommt aus kirchlich geprägten Elternhäusern der Mittelschicht. Sie hatten eigenständig herausgefunden, wo ihre Hilfe besonders benötigt wird. Soziales Engagement, folgert der Wissenschaftler, ist also auch eine Frage von Bildung und Herkunft.

Ein Beispiel dafür ist die 14-jährige Paula Gellert aus dem brandenburgischen Neuruppin. Sie wächst in einem gutbürgerlichen Elternhaus auf und entschied selbst, dass sie als Tierliebhaberin etwas für bedrohte Arten tun möchte. Dafür steht sie seit vier Jahren früher auf. Zwischen Februar und Mai bringt die Mutter sie noch vor Schulbeginn zu einer viel befahrenen Straße, über die zur Laichzeit Tausende Kröten wandern.


QuelleBearbeiten

http://www.focus.de/schule/familie/freizeit/tid-11163/soziales-engagement-pluspunkte-im-lebenslauf-_aid_318543.html

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